„Hätte mein Uropa Auschwitz nicht überlebt, könnte ich euch meine Geschichte heute nicht erzählen“, betont ein jüdischer Jugendlicher der Organisation Likrat, der für den jährlichen „March of the Living“ nach Krakau gereist ist. Die Schülerinnen und Schüler aller siebten Klassen erhielten während der dreitägigen Reise einen intensiven Einblick in den größten geplanten Genozid der Menschheitsgeschichte – die Shoa.
Bereits in den 1920er-Jahren zeichnete sich eine zunehmende, zunächst subtile Abneigung gegenüber jüdischen Menschen ab. Schritt für Schritt wurden ihnen grundlegende Menschenrechte entzogen und ihre Würde genommen. Ende März 1941 mussten die jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner Krakaus in ein abgesperrtes Stadtviertel, dem sogenannten Ghetto Krakau, übersiedeln. Zwei Jahre später – am 13. März 1943 – begann die endgültige Liquidation des Ghettos. Viele der arbeitsfähigen Menschen wurden in das Konzentrationslager Plaszow deportiert, alle anderen am folgenden Tag in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
Am ersten Tag unserer Reise wurden die Jugendlichen mit dem Museum und der Tour durch Auschwitz 1 konfrontiert. Kinderzeichnungen, welche schreckliche Szenen zeigen, Haare von ehemaligen Häftlingen und viele persönliche Gegenstände, die den Menschen bei der Ankunft abgenommen wurden. Ein Bild des Schreckens. Die stressige Tour und die schwermütige Atmosphäre stimmten die Schülerinnen und Schüler nachdenklich. Anschließend wurde auch während der Busfahrt zum Hotel eifrig in Gruppen über das Gesehene diskutiert. Der zweite Tag löste die schwermütige Stimmung des Vortages in Vorfreude auf den bevorstehenden March of the Living auf. Nachdem wir uns mehrere Stunden auf dem Gelände von Auschwitz II (Birkenau) umsehen konnten, folgt danach das sehr bewegende Zeitzeuginnengespräch mit Dr. Eva Umlauf, die als kleines Kind nur durch sehr großes Glück gemeinsam mit ihrer Mutter und der jüngeren Schwester Auschwitz überleben konnte. Kaum hatte sie begonnen zu sprechen, waren die ZuhörerInnen überwältigt und empfanden großes Mitgefühl.
Am Beginn des dritten Tages stand eine Stadtführung durch Kazimierz, dem ehemaligen jüdischen Viertel Krakaus, auf dem Programm. Alle waren begeistert von der Stadt und der Stadttour, als wir schlussendlich in der Synagoge für das bevorstehende Konzert ankamen. Während des Konzerts herrschte eine Stimmung, die man sich kaum vorstellen konnte. Fast jeder stand auf, um in der Mitte gemeinsam zur Musik zu tanzen. Die Lebensfreude und die Verbundenheit der jüdischen Gemeinschaft ließen die Schülerinnen und Schüler die Strapazen des Vortages zur Gänze vergessen. Während der anschließenden Heimfahrt wurde viel über die gesamte Reise gesprochen. Obwohl die Schülerinnen und Schüler von den Emotionen, die sie geballt zu spüren bekamen, überwältigt waren, wurde die Reise als ein voller Erfolg gesehen. Jede und jeder einzelne hat die Zeit, die wir dort verbringen durften, geschätzt und auch genutzt, um sich die Schrecken dieser Zeit vor Augen zu führen und zu verstehen, dass es viele einzelne Menschen waren, die darunter litten.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei unseren ProfessorInnen für die Möglichkeit, an dieser wichtigen Reise teilnehmen zu dürfen!



